Zigarren
Zigarren
Aufbau, Qualitätsstufen, Formate, Anbauländer, Lagerung und rechtlicher Rahmen
Zigarren bestehen vollständig aus Tabak und unterscheiden sich durch ihren dreischichtigen Aufbau von anderen Rauchtabakerzeugnissen. Dieser Überblick erklärt Aufbau, Qualitätsstufen, Formate, Herstellung, Lagerung sowie die wichtigsten gesetzlichen Regelungen in Deutschland.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Zigarren bestehen ausschließlich aus Tabak: Einlage, Umblatt und Deckblatt.
- Short-, Medium- und Longfiller unterscheiden sich durch die Beschaffenheit der Einlage.
- Die Blattpositionen Volado, Seco und Ligero beeinflussen die Eigenschaften des Tabaks.
- Das Format einer Zigarre wird über Länge und Ringmaß (Vitola) beschrieben.
- Zigarren werden im Humidor bei kontrollierter Temperatur und Luftfeuchtigkeit gelagert.
- Für Zigarren gelten eigene steuerliche und rechtliche Vorschriften.
- Der Verkauf erfolgt ausschließlich an volljährige Personen.
Inhaltsverzeichnis
- Was ist eine Zigarre?
- Aufbau einer Zigarre
- Blattpositionen
- Short-, Medium- und Longfiller
- Formate und Ringmaß
- Anbauländer
- Herstellung
- Anschnitt
- Anzünden und Rauchen
- Lagerung und Humidor
- Rechtlicher Rahmen
- FAQ
Was ist eine Zigarre?
Eine Zigarre ist ein Rauchtabakerzeugnis, das vollständig aus Tabak besteht.
Im Gegensatz zu Zigaretten kommen bei Zigarren weder Zigarettenpapier noch Filter zum Einsatz. Die Füllung wird von einem Umblatt zusammengehalten und von einem Deckblatt umschlossen. Geraucht wird die Zigarre, indem der Fuß entzündet und am Kopf gezogen wird.
Diese Bauweise unterscheidet Zigarren von allen anderen Rauchtabakerzeugnissen und ist zugleich Grundlage ihrer eigenen steuerlichen und rechtlichen Einordnung.
Tabakfeld mit ausgewachsenen Tabakpflanzen
- Besteht vollständig aus Tabak.
- Kein Zigarettenpapier.
- Kein Filter.
- Dreischichtiger Aufbau aus Einlage, Umblatt und Deckblatt.
Aufbau einer Zigarre
Jede Zigarre besteht aus drei funktionalen Tabakschichten mit unterschiedlichen Aufgaben.
Infografik: Aufbau einer Zigarre
| Bestandteil | Alternative Bezeichnung | Aufgabe |
|---|---|---|
| Einlage | Filler / Tripa | Füllung aus fermentierten Tabakblättern; prägt Intensität und Abbrand. |
| Umblatt | Binder / Capote | Hält die Einlage zusammen und sorgt für Form und Stabilität. |
| Deckblatt | Wrapper / Capa | Äußere Tabakschicht und prägend für das Erscheinungsbild. |
Am Kopf befindet sich bei den meisten Zigarren eine Deckblattkappe, die vor dem Rauchen angeschnitten wird. Um den Korpus liegt in der Regel die Bauchbinde mit Angaben zu Marke und Sorte.
Blattpositionen und Intensität
Die Lage eines Tabakblattes an der Pflanze beeinflusst seine Eigenschaften.
Für die Einlage werden drei Blattpositionen unterschieden. Sie unterscheiden sich hinsichtlich Intensität und Brennverhalten und werden vom Hersteller je nach gewünschter Mischung kombiniert.
| Blattposition | Eigenschaften |
|---|---|
| Volado | Untere Blätter mit geringer Intensität und guten Brenneigenschaften. |
| Seco | Mittlere Blätter mit ausgewogener Intensität. |
| Ligero | Obere Blätter mit hoher Sonneneinstrahlung, kräftiger Intensität und langsamerem Abbrand. |
Das Mischungsverhältnis dieser Blattlagen bestimmt den Charakter einer Zigarre und gehört zur jeweiligen Rezeptur des Herstellers.
Qualitätsstufen: Short-, Medium- und Longfiller
Die Begriffe Short-, Medium- und Longfiller beschreiben ausschließlich die Beschaffenheit der Einlage.
Entscheidend ist, in welcher Form die Tabakblätter im Inneren der Zigarre verarbeitet werden. Die Qualitätsstufe sagt dagegen nichts darüber aus, ob eine Zigarre von Hand oder maschinell gefertigt wurde.
Infografik: Short-, Medium- und Longfiller im Vergleich
| Qualitätsstufe | Einlage | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Shortfiller | Klein geschnittene Tabakstücke. | Meist maschinell gefertigt; der Kopf muss häufig nicht angeschnitten werden. |
| Mediumfiller | Größere Blattstücke. | Zwischenstufe; je nach Hersteller maschinell oder teilweise von Hand gefertigt. |
| Longfiller | Ganze Tabakblätter über die gesamte Länge. | Häufig von Hand gerollt; der Kopf wird vor dem Rauchen angeschnitten. |
Die Begriffe Short-, Medium- und Longfiller beschreiben ausschließlich die Einlage. Sie sind kein Hinweis auf die Fertigungsart oder die Qualität einer Zigarre.
Formate und Ringmaß
Das Format einer Zigarre wird als Vitola bezeichnet und über Länge sowie Ringmaß beschrieben.
Infografik: Zigarrenformate und Ringmaß einfach erklärt
Das Ringmaß beschreibt den Durchmesser einer Zigarre und wird in Vierundsechzigstel Zoll angegeben. Ein Ringmaß von 50 entspricht somit 50/64 Zoll.
| Merkmal | Beschreibung |
|---|---|
| Länge | Wird üblicherweise in Millimetern oder Zoll angegeben. |
| Ringmaß | Durchmesser der Zigarre in Vierundsechzigstel Zoll. |
| Parejo | Zylindrische Zigarre mit geradem Korpus. |
| Figurado | Nicht zylindrische Bauform, beispielsweise mit verjüngten Enden. |
Länge und Ringmaß ermöglichen eine grobe Einschätzung der Rauchdauer. Die bekannten Formatbezeichnungen wie Robusto oder Corona sind dagegen Branchenbezeichnungen und zwischen den Herstellern nicht einheitlich definiert.
Anbauländer
Zigarrentabak wird heute in zahlreichen Regionen der Welt angebaut.
Klima, Boden und Anbaumethoden beeinflussen die Eigenschaften der Tabakblätter. Eine Zigarre kann Tabake aus mehreren Herkunftsländern enthalten, sodass Anbau- und Produktionsland nicht zwangsläufig identisch sind.
| Land / Region | Besonderheit |
|---|---|
| Kuba | Traditionsreiches Anbaugebiet und Herkunft der Habanos. |
| Dominikanische Republik | Bedeutendes Produktionsland für Premiumzigarren. |
| Nicaragua | Wichtiger Produzent hochwertiger Zigarrentabake. |
| Honduras | Etabliertes Anbau- und Produktionsland. |
| Brasilien | Bekannt für Tabakanbau unter anderem in Bahia. |
| Mexiko | Bekannt für Deckblätter aus dem San-Andrés-Tal. |
| Ecuador, Costa Rica, Peru, Panama und Europa | Weitere Anbaugebiete mit unterschiedlichen Tabaksorten und Produktionsschwerpunkten. |
Die Herkunftsangabe auf einer Zigarrenverpackung bezieht sich in der Regel auf das Produktionsland. Die verwendeten Tabakblätter können jedoch aus mehreren Anbauregionen stammen.
Herstellung
Bei handgefertigten Longfillern übernehmen erfahrene Zigarrenroller – sogenannte Torcedores – die Fertigung.
Foto: Handwerk des Zigarrenrollens
Herstellung in sechs Schritten
- Auswahl der Einlageblätter.
- Bündeln der Einlage und Einschlagen in das Umblatt.
- Pressen des Rohlings in einer Form.
- Aufbringen des Deckblatts.
- Ansetzen der Deckblattkappe.
- Kontrolle und Reifung.
Bei maschinell gefertigten Zigarren übernehmen Maschinen große Teile dieses Prozesses. Je nach Produkt kann das Deckblatt maschinell oder von Hand aufgebracht werden.
Der Anschnitt
Vor dem Rauchen wird bei den meisten Zigarren die Deckblattkappe am Kopf geöffnet.
Der Anschnitt sorgt dafür, dass Luft durch die Zigarre strömen kann. Dabei wird ausschließlich die Deckblattkappe geöffnet. Ein zu tiefer Schnitt kann dazu führen, dass sich das Deckblatt löst und die Zigarre ausfranst.
| Werkzeug | Schnittbild | Besonderheit |
|---|---|---|
| Guillotine-Cutter | Gerader Schnitt | Häufig als Doppelklingen-Ausführung erhältlich. |
| Zigarrenschere | Gerader Schnitt | Der Schnitt erfolgt manuell mit zwei Klingen. |
| V-Cutter | Kerbschnitt | Schneidet eine V-förmige Kerbe in den Kopf. |
| Bohrer (Punch) | Rundes Loch | Der Durchmesser sollte zum Ringmaß passen. |
Entfernt wird ausschließlich die Deckblattkappe. Ein zu tiefer Schnitt kann die Deckblattwicklung beschädigen.
Anzünden und Rauchen
Ein gleichmäßiges Anzünden unterstützt einen ruhigen und gleichmäßigen Abbrand.
Schritt für Schritt
- Den Fuß gleichmäßig über die Flamme führen.
- Die Glut über den gesamten Querschnitt aufbauen.
- Erst anschließend den ersten Zug nehmen.
- Langsam und gleichmäßig ziehen.
- Den Rauch im Mund behalten und wieder ausatmen.
- Die Asche möglichst erst entfernen, wenn sie sich von selbst löst.
Zum Anzünden werden häufig Zigarrenfeuerzeuge, Streichhölzer oder Zedernholzspäne verwendet. Herkömmliche Benzinfeuerzeuge werden üblicherweise vermieden, da Verbrennungsrückstände auf das Deckblatt übergehen können.
Lagerung und Humidor
Zigarren werden im Humidor bei kontrollierter Luftfeuchtigkeit und möglichst gleichbleibender Temperatur gelagert.
Da Zigarren kontinuierlich Feuchtigkeit an ihre Umgebung abgeben, ist eine geeignete Lagerung wichtig. Zu trockene Bedingungen können das Deckblatt beschädigen, während eine zu hohe Luftfeuchtigkeit den Abbrand beeinträchtigen kann.
Empfehlungen zur Lagerung
- Relative Luftfeuchtigkeit üblicherweise zwischen 68 und 72 %.
- Möglichst konstante Temperatur um 18 °C.
- Befeuchter regelmäßig kontrollieren.
- Hygrometer regelmäßig überprüfen.
- Aromatisierte und nicht aromatisierte Zigarren getrennt lagern.
- Neue Humidore vor der ersten Nutzung befeuchten.
Für kleinere Bestände werden auch Aufbewahrungsboxen mit Feuchtigkeitsregulierung verwendet. Für eine langfristige Lagerung gilt jedoch der Humidor als die übliche Lösung.
Rechtlicher Rahmen in Deutschland
Für Zigarren gelten eigene gesetzliche Regelungen zu Besteuerung, Kennzeichnung, Jugendschutz und Werbung.
Einordnung
Zigarren und Zigarillos bilden im Tabaksteuerrecht eine eigene Kategorie. Maßgeblich ist unter anderem, dass das Deckblatt aus Tabak besteht.
Kennzeichnung
Für Zigarren gelten andere Kennzeichnungsvorschriften als für Zigaretten. Die Packungen tragen die gesetzlich vorgeschriebenen Hinweise sowie ein Rückverfolgbarkeitsmerkmal. Irreführende Bezeichnungen sind unzulässig.
Aromen
Das Verbot charakteristischer Aromen gilt für Zigaretten, Tabak zum Selbstdrehen und erhitzte Tabakerzeugnisse. Für Zigarren und Zigarillos gilt dieses Verbot nicht.
Besteuerung
Zigarren und Zigarillos unterliegen einem eigenen Steuertarif. Die Tabaksteuer wird über Steuerzeichen erhoben.
Jugendschutz
Der Verkauf erfolgt ausschließlich an volljährige Personen. Im Versandhandel ist eine Altersverifikation bei Bestellung und Übergabe vorgeschrieben.
Werbung
Für Tabakerzeugnisse gelten weitreichende Werbebeschränkungen. Produktdarstellungen müssen sachlich bleiben und dürfen keine irreführenden Aussagen enthalten.
Wichtige Regelungen im Überblick
- Eigene steuerliche Kategorie für Zigarren und Zigarillos.
- Gesetzliche Kennzeichnungspflichten.
- Kein Aromenverbot für Zigarren.
- Abgabe ausschließlich an volljährige Personen.
- Umfangreiche Werbebeschränkungen.
Abgrenzung zu Zigarillos
Zigarren und Zigarillos besitzen denselben grundsätzlichen Aufbau, unterscheiden sich jedoch vor allem in Format und steuerrechtlicher Einordnung.
| Merkmal | Zigarre | Zigarillo |
|---|---|---|
| Format | Größer | Kleiner |
| Einlage | Short-, Medium- oder Longfiller | Häufig Shortfiller |
| Mundstück | Deckblattkappe | Teilweise Filter oder Mundstück |
Die steuerrechtliche Abgrenzung erfolgt über Gewicht und Maße je Stück. Im Sortiment finden sich darüber hinaus weitere benachbarte Kategorien wie Pfeifentabak, Feinschnitt oder Zigaretten. :contentReference[oaicite:0]{index=0}
Häufige Fragen zu Zigarren
Woraus besteht eine Zigarre?
Eine Zigarre besteht vollständig aus Tabak. Sie setzt sich aus Einlage (Füllung), Umblatt und Deckblatt zusammen. Zigarettenpapier oder Filter werden nicht verwendet.
Was ist der Unterschied zwischen Short-, Medium- und Longfiller?
Die Begriffe beschreiben ausschließlich die Form der Einlage. Shortfiller enthalten klein geschnittene Tabakstücke, Mediumfiller größere Blattstücke und Longfiller ganze Tabakblätter über die gesamte Länge.
Was bedeutet das Ringmaß?
Das Ringmaß beschreibt den Durchmesser einer Zigarre und wird in Vierundsechzigstel Zoll angegeben. Zusammen mit der Länge bestimmt es das Format der Zigarre.
Was sind Volado, Seco und Ligero?
Dabei handelt es sich um die Blattpositionen an der Tabakpflanze. Volado stammt aus dem unteren Bereich, Seco aus der Mitte und Ligero aus dem oberen Bereich der Pflanze.
Was ist der Unterschied zwischen Parejo und Figurado?
Parejo bezeichnet gerade, zylindrische Zigarren. Figurado umfasst alle Formate mit einer abweichenden Form, beispielsweise verjüngten Enden.
Wie wird eine Zigarre angeschnitten?
Geöffnet wird ausschließlich die Deckblattkappe am Kopf. Dafür werden häufig Guillotine-Cutter, Zigarrenscheren, V-Cutter oder Bohrer verwendet.
Warum sollte die Asche möglichst lange an der Zigarre bleiben?
Die Asche wirkt als Puffer für die Glut und unterstützt einen gleichmäßigen Abbrand. Sie wird üblicherweise erst entfernt, wenn sie sich von selbst löst.
Werden Zigarren inhaliert?
Nein. Der Rauch wird üblicherweise im Mund behalten und anschließend wieder ausgeatmet.
Wie werden Zigarren richtig gelagert?
Zigarren werden in einem Humidor bei kontrollierter Luftfeuchtigkeit und möglichst gleichbleibender Temperatur aufbewahrt. Herstellerangaben zum Humidor und zu den Zigarren sind dabei maßgeblich.
Gibt es aromatisierte Zigarren?
Ja. Das gesetzliche Verbot charakteristischer Aromen gilt für Zigaretten, Tabak zum Selbstdrehen und erhitzte Tabakerzeugnisse, jedoch nicht für Zigarren und Zigarillos.
Ab welchem Alter dürfen Zigarren verkauft werden?
Der Verkauf erfolgt ausschließlich an volljährige Personen. Im Versandhandel ist zusätzlich eine Altersverifikation vorgeschrieben.
Quellen
- Tabakerzeugnisgesetz (TabakerzG)
- Tabakerzeugnisverordnung (TabakerzV)
- Richtlinie 2014/40/EU (EU-Tabakproduktrichtlinie)
- Tabaksteuergesetz (TabStG)
- Zoll – Informationen zu Zigarren und Zigarillos
- Produkt- und Verpackungsangaben der Hersteller
Bildquellen
- Eigenes Foto: Tabakfeld mit Tabakpflanzen
- Eigene Infografik: Aufbau einer Zigarre
- Eigene Infografik: Short-, Medium- und Longfiller im Vergleich
- Eigene Infografik: Ringmaß und Zigarrenformate einfach erklärt
- Eigenes Foto: Torcedor rollt eine Longfiller-Zigarre von Hand
Autor: Helmut Pribyl
Fachliche Redaktion: Tabakguru
Stand: September 2026