Warum Zigarren schief brennen
Der Glutkegel läuft auf einer Seite voraus, das Deckblatt bleibt zurück, und was eben noch gerade war, sieht nach zehn Minuten aus wie angenagt. Fast jeder Fehler beim Abbrand hat eine nachvollziehbare Ursache – und sie liegt häufiger in der Lagerung oder beim Anzünden als in der Fertigung.
- Die häufigsten Fehlerbilder beim Abbrand sind Canoeing, Tunneling, Runner und zu hoher Zugwiderstand.
- Die Lagerfeuchte ist die häufigste Einzelursache – eine Zigarre kann zu feucht, zu trocken oder ungleichmäßig feucht sein.
- Auch ein ungleichmäßig angezündeter Fuß kann dazu führen, dass die Zigarre von Beginn an schief abbrennt.
- Zu häufiges Ziehen, langes Ablegen und Zugluft können den Glutkegel ebenfalls aus der Spur bringen.
- Fertigungsbedingte Ursachen kommen vor, sind aber seltener als Probleme durch Lagerung, Anzünden oder Rauchverhalten.
- Canoeing, Tunneling und Runner lassen sich häufig noch korrigieren; bei einem zu fest gebündelten Einlagebündel sind die Möglichkeiten begrenzt.
Die vier häufigsten Fehlerbilder
Canoeing. Der Glutkegel läuft einseitig voraus, der Querschnitt wird schräg. Der umgangssprachliche Name kommt von der Form, die dabei entsteht.
Tunneling. Die Einlage brennt in der Mitte schneller als das Deckblatt. Die Zigarre höhlt sich aus, und der Glutkegel zieht sich nach innen zurück.
Runner. Der umgekehrte Fall: Das Deckblatt brennt schneller als die Einlage und läuft als schmaler Streifen voraus.
Verstopfter Zug. Die Zigarre lässt sich kaum ziehen. Kein Abbrandfehler im engeren Sinn, aber eine der häufigsten Ursachen für die übrigen drei.
Nicht jeder ungleichmäßige Abbrand sieht gleich aus. Beim Canoeing läuft eine Seite voraus, beim Tunneling zieht sich die Glut in die Mitte zurück und beim Runner eilt ein schmaler Streifen des Deckblatts voraus. Diese Unterscheidung hilft dabei, anschließend nach der passenden Ursache zu suchen.
Ursache eins: die Lagerfeuchte
Der mit Abstand häufigste Grund hat mit der Zigarre selbst nichts zu tun, sondern mit dem, was vorher mit ihr passiert ist.
Zu feucht gelagert lässt sich eine Zigarre schlecht anzünden, geht immer wieder aus und brennt ungleichmäßig ab. Der Zug fällt schwer, weil die Tabakfasern gequollen sind und den Luftkanal verengen.
Welche Aufgabe ein Humidor bei der Lagerung übernimmt, erklärt unser Ratgeber „Wozu dient ein Humidor?“.
Zu trocken gelagert brennt sie zu schnell, der Glutkegel wird heiß, und das Deckblatt neigt zum Reißen. Ausgetrockneter Tabak verliert außerdem an Elastizität – bei einem zu trockenen Deckblatt entsteht typischerweise ein Runner.
Warum die Elastizität der äußeren Hülle so wichtig ist und welche Anforderungen sie erfüllen muss, erklärt unser Beitrag über das Deckblatt bei Zigarren.
Hinzu kommt der Fall, der am schwersten zu erkennen ist: eine Zigarre, die ungleichmäßig feucht ist. Das passiert nach Transporten oder nach einem Wechsel der Lagerbedingungen. Innen und außen stehen dann unterschiedlich im Feuchtehaushalt, und der Abbrand folgt dieser Ungleichheit. Abhilfe schafft nur Zeit: einige Tage bei konstanten Bedingungen ruhen lassen.
Ursache zwei: das Anzünden
Der zweithäufigste Grund entsteht in den ersten dreißig Sekunden.
Wird der Fuß nicht über den gesamten Querschnitt gleichmäßig entzündet, startet die Zigarre bereits schief – und gleicht sich danach nur selten von selbst wieder aus. Der Fuß sollte deshalb langsam über der Flamme gedreht werden, ohne ihn hineinzuhalten, bis die gesamte Fläche glimmt.
Eine Kontrolle lohnt sich: Nach dem Anzünden den Fuß ansehen. Glimmt er nur teilweise, lässt sich das in diesem Moment noch mühelos nachbessern. Zehn Minuten später ist es eine Reparatur.
Die einzelnen Schritte vom Anschneiden bis zum Anzünden findest du in unserer Anleitung zum Zigarrenrauchen.
Ein gleichmäßiger Start verhindert viele spätere Korrekturen. Deshalb lohnt sich direkt nach dem Anzünden ein kurzer Blick auf den Fuß: Die gesamte Fläche sollte gleichmäßig glimmen.
Ursache drei: das Ziehverhalten
Wer zu häufig zieht, führt der Glut mehr Sauerstoff zu, als sie verträgt. Die Temperatur steigt, der Abbrand wird unruhig, und der Geschmack verändert sich deutlich.
Als Anhaltspunkt gilt ein Zug etwa alle ein bis zwei Minuten. Das ist keine Vorschrift, sondern eine Faustregel, die sich aus dem Umstand ergibt, dass der Glutkegel Zeit braucht, um sich gleichmäßig über den Querschnitt auszubreiten.
Der umgekehrte Fehler ist ebenso verbreitet: Bleibt die Zigarre zu lange im Aschenbecher liegen, zieht sie auf der aufliegenden Seite weniger Luft und auf der freien Seite mehr. Nach wenigen Minuten brennt sie schief.
Der Glutkegel braucht Zeit, um sich gleichmäßig auszubreiten. Zu häufiges Ziehen erhöht die Temperatur. Langes Ablegen kann dagegen dazu führen, dass die Zigarre auf einer Seite weniger Luft bekommt. Beides kann einen ungleichmäßigen Abbrand begünstigen.
Ursache vier: Zugluft
Ein Ventilator, ein offenes Fenster, eine Klimaanlage – jede gerichtete Luftströmung fächert eine Seite des Glutkegels stärker an als die andere. Das genügt, um einen bis dahin tadellosen Abbrand aus der Spur zu bringen.
Ursache fünf: die Fertigung
Bleiben die Ursachen, die in der Zigarre selbst stecken. Sie sind seltener als die bisher genannten, aber nicht auszuschließen.
Ungleichmäßig gelegte Einlage. Liegt ein träge brennendes Blatt am Rand statt in der Mitte, brennt dieser Teil des Querschnitts langsamer. Die Blätter aus dem oberen Bereich der Pflanze gehören aus genau diesem Grund in die Mitte des Bündels.
Warum die Blattlagen unterschiedlich schnell brennen und wie sie im Bündel angeordnet werden, erklärt unser Beitrag über Ligero, Seco und Volado.
Zu fest gebündelt. Eine zu dicht gelegte Einlage verengt den Luftkanal. Das führt zu hohem Zugwiderstand und in der Folge oft zu Tunneling, weil der Rauch sich den Weg durch die Mitte sucht.
Zu locker gebündelt. Der Gegenfall: Der Zug ist leicht, die Zigarre brennt schnell und heiß.
Ein Hindernis im Zugkanal. Ein quer liegendes Blattstück oder ein Rest der Mittelrippe kann den Luftweg an einer Stelle blockieren.
Wie das Einlagebündel aufgebaut wird und welche Kontrollen eine fertige Zigarre durchläuft, erfährst du im Überblick zur Herstellung von Zigarren.
Fertigungsbedingte Ursachen gibt es. Sie sind nach dem Manuskript jedoch seltener als Probleme durch Lagerfeuchte, Anzünden, Ziehverhalten oder Zugluft. Deshalb lohnt es sich, diese äußeren Faktoren zuerst zu überprüfen.
Was sich noch korrigieren lässt
Nicht jeder Fehler ist das Ende.
Bei Canoeing die zurückliegende Seite gezielt nachzünden. Dabei die Flamme nur an die langsamere Seite führen. Vorher die Asche entfernen, damit die Glut zugänglich ist.
Bei Tunneling die vorauslaufende Einlage vorsichtig abklopfen und den Fuß neu über die gesamte Fläche anzünden.
Bei einem Runner lässt sich das vorauseilende Deckblatt mit dem Finger oder dem Cutter abtrennen, danach ebenfalls nachzünden.
Bei zu hohem Zugwiderstand hilft manchmal, die Zigarre zwischen den Fingern leicht zu rollen und zu drücken. Verbreitet sind außerdem Zugbohrer, die einen Kanal durch die Einlage legen. Hilft beides nicht, war das Bündel zu fest – daran lässt sich nichts mehr ändern.
Bei einem gelösten Deckblatt ist eine dauerhafte Reparatur nicht möglich. Die betroffene Stelle lässt sich kurzzeitig andrücken, mehr nicht.
| Fehler | Mögliche Korrektur |
|---|---|
| Canoeing | Langsamere Seite gezielt nachzünden. |
| Tunneling | Vorauslaufende Einlage vorsichtig abklopfen und den Fuß neu anzünden. |
| Runner | Vorauseilendes Deckblatt abtrennen und anschließend nachzünden. |
| Hoher Zugwiderstand | Vorsichtig rollen und drücken; gegebenenfalls einen Zugbohrer verwenden. |
| Gelöstes Deckblatt | Nur kurzzeitig andrücken; eine dauerhafte Reparatur ist nicht möglich. |
Die Reihenfolge beim Suchen
Wer wiederholt denselben Fehler erlebt, geht die Ursachen am besten in dieser Reihenfolge durch:
- Lagerfeuchte prüfen – Hygrometer kontrollieren, Befeuchter nachfüllen.
- Ruhezeit nach Transport einhalten – einige Tage bei gleichbleibenden Bedingungen.
- Anzündvorgang beobachten – glimmt der Fuß vollflächig?
- Umgebung prüfen – Zugluft, Ventilator, Klimaanlage.
- Ziehrhythmus beobachten – wie oft wird gezogen, wie lange liegt die Zigarre ab?
- Erst dann die Zigarre selbst in Verdacht nehmen.
Tritt das Problem bei Erzeugnissen verschiedener Herkunft gleichermaßen auf, liegt es fast sicher nicht an der Fertigung.
Das Wichtigste in Kürze
- Die häufigsten Fehlerbilder sind Canoeing, Tunneling, Runner und zu hoher Zugwiderstand.
- Die Lagerfeuchte ist die häufigste Einzelursache – zu feucht, zu trocken oder ungleichmäßig.
- Nach Transporten brauchen Zigarren einige Tage Ruhe, damit sich die Feuchte ausgleicht.
- Ein ungleichmäßig entzündeter Fuß gleicht sich im weiteren Verlauf kaum aus.
- Zu häufiges Ziehen und Zugluft bringen den Glutkegel aus der Spur.
- Fertigungsbedingte Ursachen gibt es, sie sind aber seltener als die übrigen.
- Canoeing, Tunneling und Runner lassen sich meist nachbessern, ein zu festes Bündel nicht.
Häufig gestellte Fragen zu Abbrandproblemen bei Zigarren
Warum brennt eine Zigarre schief ab?
Ein schiefer Abbrand kann verschiedene Ursachen haben. Besonders häufig liegen sie in der Lagerfeuchte, einem ungleichmäßigen Anzünden, dem Ziehverhalten oder in Zugluft. Auch Fertigungsfehler können eine Rolle spielen, sind aber seltener als diese äußeren Ursachen.
Was bedeutet Canoeing bei einer Zigarre?
Beim Canoeing läuft der Glutkegel auf einer Seite voraus und der Querschnitt wird dadurch schräg. Zum Korrigieren kann die zurückliegende Seite gezielt nachgezündet werden. Vorher sollte die Asche entfernt werden, damit die Glut zugänglich ist.
Was ist Tunneling bei einer Zigarre?
Beim Tunneling brennt die Einlage in der Mitte schneller als das Deckblatt. Die Zigarre höhlt sich aus und der Glutkegel zieht sich nach innen zurück. Zur Korrektur kann die vorauslaufende Einlage vorsichtig abgeklopft und der Fuß anschließend neu über die gesamte Fläche angezündet werden.
Was ist ein Runner bei einer Zigarre?
Bei einem Runner brennt das Deckblatt schneller als die Einlage und läuft als schmaler Streifen voraus. Ein typischer Auslöser ist ein zu trockenes Deckblatt. Das vorauseilende Deckblatt lässt sich mit dem Finger oder dem Cutter abtrennen; anschließend kann die Stelle nachgezündet werden.
Welchen Einfluss hat die Lagerfeuchte auf den Abbrand?
Zu feucht gelagerte Zigarren lassen sich schlecht anzünden, gehen häufiger aus, ziehen schwerer und können ungleichmäßig abbrennen. Zu trocken gelagerte Zigarren brennen dagegen schnell und heiß, während das Deckblatt zum Reißen neigt. Auch eine innerhalb der Zigarre ungleichmäßig verteilte Feuchtigkeit kann einen schiefen Abbrand verursachen.
Warum sollten Zigarren nach dem Transport erst ruhen?
Nach einem Transport oder einem Wechsel der Lagerbedingungen kann die Feuchtigkeit innerhalb einer Zigarre ungleichmäßig verteilt sein. Innen und außen stehen dann unterschiedlich im Feuchtehaushalt. Einige Tage Ruhe bei konstanten Bedingungen geben der Feuchtigkeit Zeit, sich wieder auszugleichen.
Kann falsches Anzünden einen schiefen Abbrand verursachen?
Ja. Wird der Fuß nicht über den gesamten Querschnitt gleichmäßig entzündet, startet die Zigarre bereits schief und gleicht sich danach nur selten von selbst wieder aus. Der Fuß sollte langsam über der Flamme gedreht werden, ohne ihn hineinzuhalten, bis die gesamte Fläche glimmt.
Wie oft sollte man an einer Zigarre ziehen?
Als Anhaltspunkt gilt etwa ein Zug alle ein bis zwei Minuten. Das ist keine Vorschrift, sondern eine Faustregel. Zu häufiges Ziehen führt der Glut viel Sauerstoff zu, erhöht die Temperatur und kann den Abbrand unruhig machen. Auch ein zu langes Ablegen kann einen schiefen Abbrand begünstigen.
Kann Zugluft dazu führen, dass eine Zigarre schief brennt?
Ja. Ein Ventilator, ein offenes Fenster oder eine Klimaanlage kann eine Seite des Glutkegels stärker anfachen als die andere. Dadurch kann auch eine Zigarre, die zuvor gleichmäßig gebrannt hat, aus der Spur geraten.
Kann ein schlechter Abbrand an der Fertigung der Zigarre liegen?
Ja. Mögliche Ursachen sind eine ungleichmäßig gelegte Einlage, ein zu festes oder zu lockeres Bündel sowie ein Hindernis im Zugkanal. Solche Fertigungsursachen kommen vor, sind aber seltener als Probleme durch Lagerung, Anzünden, Ziehverhalten oder Zugluft.
Was sollte man bei wiederkehrenden Abbrandproblemen zuerst überprüfen?
Zuerst sollte die Lagerfeuchte geprüft werden. Danach folgen die Ruhezeit nach einem Transport, der Anzündvorgang, mögliche Zugluft und das eigene Ziehverhalten. Erst wenn diese Ursachen ausgeschlossen sind, sollte die Zigarre selbst beziehungsweise ihre Fertigung in Verdacht genommen werden.
Autor: Helmut Pribyl
Fachliche Redaktion: Tabakguru
Stand: Oktober 2026