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Der Zigarren Knigge

Was versteht man unter dem Zigarren Knigge?

Der Begriff Zigarren Knigge beschreibt die ungeschriebenen Regeln und Umgangsformen, die sich unter Zigarrenrauchern etabliert haben. Dabei geht es weniger um starre Etikette als vielmehr um Rücksichtnahme, Genusskultur und einen respektvollen Umgang mit Mitrauchern.

Die gute Nachricht für Einsteiger: Niemand erwartet Perfektion. Die meisten Zigarrenrunden sind entspannt, offen und gesellig. Wer einige grundlegende Verhaltensweisen kennt, wird sich schnell wohlfühlen.


Wie schneidet man eine Zigarre richtig an?

Der Anschnitt entscheidet darüber, ob Ihre Zigarre gleichmäßig zieht oder später Probleme beim Rauchen verursacht. Ziel ist es, das Deckblatt am Kopfende der Zigarre zu öffnen, ohne die Kappe oder das Deckblatt zu beschädigen.

Verwenden Sie dafür möglichst einen hochwertigen Zigarrencutter. Geeignet sind beispielsweise Doppelklingen Cutter, Guillotinen, V Cutter oder Punch Cutter (Rundcutter). Von Küchenmessern oder Haushaltsscheren ist abzuraten, da diese oft unsaubere Schnitte verursachen.

Setzen Sie den Cutter knapp hinter der Kappe an und führen Sie den Schnitt zügig und entschlossen aus. Grundsätzlich gilt: Lieber etwas weniger als zu viel abschneiden. Wird zu viel vom Kopfende entfernt, kann das Deckblatt aufplatzen und die Zigarre sich beim Rauchen auflösen.

Auch das Abbeißen des Zigarrenkopfes, wie man es gelegentlich aus Filmen kennt, gehört nicht zu den üblichen Umgangsformen unter Zigarrenrauchern und führt meist zu einem unsauberen Anschnitt.

In geselligen Runden empfiehlt es sich außerdem, nicht direkt über dem Tisch anzuschneiden. Tabakkrümel lassen sich diskret über einem Aschenbecher oder einer Serviette auffangen.

Nach dem Anschnitt kann der Zugwiderstand geprüft werden. Sollte ein Nachschnitt erforderlich sein, achten Sie darauf, die Klingen des Cutters kurz zu reinigen, bevor Sie ihn an andere Personen weitergeben. Das gilt insbesondere dann, wenn Zubehör innerhalb einer Runde gemeinsam genutzt wird.

Ein sauberer Anschnitt sorgt für einen angenehmen Zugwiderstand.


💡 Knigge Tipp:
Wenn Ihre Zigarre nach dem Anschnitt nicht optimal zieht, ist das kein Grund zur Sorge. Selbst erfahrene 
Aficionados müssen gelegentlich nachschneiden oder kleine Korrekturen vornehmen.


Wie zündet man eine Zigarre korrekt an?

Beim Anzünden einer Zigarre ist etwas Geduld gefragt. Anders als Zigaretten lassen sich Zigarren nicht einfach anzünden und sofort rauchen.
Optimal ist ein gleichmäßiges Anzünden, dass für einen besseren und gleichmäßigen Abbrand sorgt.

Halten Sie die Zigarre leicht schräg an die Flamme und beginnen Sie damit, den Zigarrenfuß langsam anzurösten. Drehen Sie die Zigarre dabei gleichmäßig, damit die Glut rundherum entsteht. Dieser Vorgang wird unter Zigarrenrauchern häufig als Toasten bezeichnet.

Erst wenn der Zigarrenfuß gleichmäßig glimmt, sollten Sie die ersten vorsichtigen Züge nehmen. So kann sich die Glut sauber entwickeln und die Zigarre brennt später gleichmäßiger ab.

Zum Anzünden eignen sich Jet Flame Feuerzeuge, Gasfeuerzeuge oder lange Holzstreichhölzer. Auf Benzinfeuerzeuge und Kerzen sollten Sie verzichten, da diese den Geschmack beeinträchtigen können.

Trotz sorgfältigen Anzündens kann es gelegentlich zu einem sogenannten Schiefbrand kommen. Dabei brennt eine Seite der Zigarre schneller als die andere. In diesem Fall kann die langsamer brennende Seite vorsichtig nachgefeuert werden, um den Abbrand wieder auszugleichen.


Wie raucht man eine Zigarre richtig?

Zigarren werden deutlich langsamer geraucht als Zigaretten. Wer zu häufig oder zu kräftig zieht, riskiert, dass die Zigarre zu heiß wird und sich Bitterstoffe bilden, die den Geschmack beeinträchtigen.

Ein guter Richtwert ist ein Zug etwa alle 20 bis 60 Sekunden. So bleibt die Glut aktiv, ohne dass der Tabak überhitzt.

Anders als bei Zigaretten wird der Rauch einer Zigarre normalerweise nicht inhaliert. Stattdessen wird er im Mundraum gehalten und anschließend wieder ausgeatmet. Erfahrene Zigarrenraucher nutzen teilweise auch die sogenannte retronasale Wahrnehmung, bei der ein Teil des Rauchs über die Nase ausgeatmet wird, um zusätzliche Aromen wahrzunehmen.

Auch die Asche sollte nicht ständig abgestreift werden. Die Asche sollte möglichst so langen wie möglich stehen gelassen werden. Das schützt den Glutkegel und trägt zu einem gleichmäßigeren und kühleren Abbrennen bei. Erst wenn die Asche instabil wird oder abzubrechen droht, sollte sie vorsichtig im Aschenbecher abgestreift werden.

Wichtig ist außerdem, sich nicht hetzen zu lassen. Eine Zigarre wird bewusst und in Ruhe geraucht. Wer merkt, dass die verfügbare Zeit nicht ausreicht, greift beim nächsten Mal besser zu einem kleineren Format. Bei Zigarren besteht zudem die Möglichkeit die Zigarren in Ruhe ausgehen zu lassen und diese zu einem späteren Zeitpunkt weiter zu rauchen.

Stellt man während des Rauchens fest, dass sich der Zugwiderstand erhöht oder die Zigarre bitter wird, kann man die Zigarre auch degasieren. Dabei wird zunächst die Asche sorgfältig abstreift und anschließend kräftig für einige Sekunden in die Zigarre geblasen.

Durch das Degasieren wird die Zigarre gekühlt und die Rauchkanäle werden wieder frei. In eine gemütlichen Runde sollten Sie beim Degasieren darauf achten, dass Sie andere nicht stören und dass keine Ascher herumfliegt.


⚠️ Typischer Einsteigerfehler:
Viele Anfänger behandeln eine Zigarre wie eine Zigarette. Zu häufiges Ziehen, Inhalieren oder ständiges Abaschen führen oft dazu, dass die Zigarre zu heiß wird und an Aroma verliert.


Welche Umgangsformen gelten unter Zigarrenrauchern?

Die wichtigste Regel unter Zigarrenrauchern lautet: Rücksicht nehmen.

Das gehört zum guten Ton

  • Fragen stellen und Erfahrungen austauschen
  • Zubehör wie Cutter, Feuerzeug oder Aschenbecher sorgfältig behandeln
  • Andere Geschmäcker und Vorlieben respektieren
  • Auf die Rauchrichtung achten und Rücksicht auf Mitmenschen nehmen
  • Die Bauchbinde zunächst an der Zigarre belassen und erst entfernen, wenn sie sich durch die Wärme leicht lösen lässt

Das sollte vermieden werden

  • Andere Raucher für ihre Zigarrenwahl zu belächeln
  • Rauch gezielt in Richtung anderer Personen zu blasen
  • Ungefragt in Gegenwart von Nichtrauchern zu rauchen
  • Auf einer Zigarre zu kauen
  • Die Zigarre zwischen den Zähnen zu halten

Zigarren werden üblicherweise zwischen den Lippen gehalten und mit den Fingern geführt. Zwischen den Zügen nimmt man die Zigarre aus dem Mund und hält sie in der Hand oder legt sie kurz im Aschenbecher oder auf einer Zigarrenbank ab.

Auch das Beenden einer Zigarre unterscheidet sich von einer Zigarette. Zigarren werden nicht ausgedrückt. Stattdessen legt man sie einfach in den Aschenbecher und lässt sie von selbst ausgehen.

Auch wenn Cutter und Feuerzeuge in vielen Runden geteilt werden, sollten fremde Utensilien nicht ungefragt benutzt werden. Eine kurze Nachfrage gehört zum guten Ton.


Worüber spricht man in einer Zigarrenrunde?

Viele Einsteiger sind unsicher, welche Themen in einer Zigarrenrunde üblich sind. Tatsächlich gibt es dafür keine festen Regeln.

Beliebte Gesprächsthemen sind:

  • Zigarren und Tabak
  • Reisen und Herkunftsländer
  • Essen und Getränke
  • Sport
  • Autos und Technik
  • Handwerk und Hobbys
  • Aktuelle Ereignisse

Ebenso normal ist es, Fragen zur eigenen Zigarre oder zu bestimmten Rauchtechniken zu stellen.

Weniger beliebt sind häufig lautstarke Streitgespräche, Belehrungen oder Diskussionen darüber, welche Marke angeblich die beste sei. Die meisten Zigarrenraucher schätzen einen entspannten und respektvollen Austausch.


Darf man als Einsteiger um Hilfe bitten?

Ja, unbedingt.

Die meisten Zigarrenraucher helfen gerne weiter, insbesondere wenn jemand neu im Hobby oder an einer Meinung interessiert ist. Fragen gelten in einer Zigarrenrunde nicht als Zeichen von Unerfahrenheit, sondern von Interesse.

Typische Situationen, bei denen man problemlos um Hilfe bitten kann:

  • Das Deckblatt ist eingerissen.
  • Die Zigarre brennt schief.
  • Der Zugwiderstand ist zu hoch.
  • Die Zigarre geht ständig aus.
  • Die Bauchbinde lässt sich nicht lösen.
  • Man ist unsicher beim Anschneiden oder Anzünden.

Viele erfahrene Aficionados freuen sich sogar darüber, ihr Wissen weiterzugeben.


🤝 Gut zu wissen:
Niemand erwartet, dass Einsteiger sofort alles richtig machen. Fragen sind ausdrücklich erlaubt und werden in den meisten Zigarrenrunden sogar gerne gesehen.


Darf man eine angebotene Zigarre ablehnen?

Ja, selbstverständlich.

In einer Zigarrenrunde kommt es häufig vor, dass jemand eine Zigarre anbietet oder eine gemeinsame Auswahl für die Runde trifft. Niemand ist jedoch verpflichtet, eine bestimmte Zigarre zu rauchen oder überhaupt mitzurauchen.

Wenn Ihnen eine Zigarre zu kräftig erscheint, Sie bereits eine andere Zigarre ausgewählt haben oder einfach keine weitere Zigarre möchten, genügt eine freundliche Ablehnung. Ein einfaches „Vielen Dank, aber ich passe diesmal“ ist völlig ausreichend.

Ebenso wenig müssen Sie begründen, warum Sie eine Zigarre ablehnen. Höflichkeit wird geschätzt, Rechtfertigungen werden normalerweise nicht erwartet.


Darf man fremde Zigarren anfassen?

Grundsätzlich sollte man Zigarren anderer Personen nicht ungefragt in die Hand nehmen.

Wer sich für eine Zigarre interessiert oder sie näher betrachten möchte, fragt kurz nach. Das gilt insbesondere für seltene, limitierte oder höherpreisige Exemplare.

Die meisten Zigarrenraucher zeigen ihre Zigarren gerne. Dennoch gehört eine kurze Nachfrage zum guten Ton.


Darf man eine Zigarre nachfeuern?

Ja.

Schiefbrand oder eine ausgegangene Zigarre kommen selbst bei erfahrenen Aficionados vor. Es ist völlig normal, eine Zigarre vorsichtig nachzufeuern oder erneut anzuzünden.

Wichtig ist lediglich, die Glut möglichst gleichmäßig wiederherzustellen. Niemand erwartet Perfektion. Kleine Korrekturen gehören zum Zigarrenrauchen dazu.


Darf man eine Zigarre vorzeitig beenden?

Ja.

Viele Einsteiger glauben, man müsse eine Zigarre bis zum letzten Zentimeter rauchen. Das ist nicht der Fall.

Wenn die Zigarre zu heiß wird, sich geschmacklich verändert oder Sie einfach genug geraucht haben, können Sie sie jederzeit beenden. In Zigarrenrunden gilt es als völlig normal, eine Zigarre nicht vollständig zu Ende zu rauchen.


Muss man jede Zigarre analysieren?

Nein.

In manchen Runden wird ausführlich über Aromen, Herkunft und Tabaksorten gesprochen. In anderen steht einfach das gemeinsame Beisammensein im Mittelpunkt.

Es ist vollkommen in Ordnung, eine Zigarre einfach zu rauchen, ohne jede Geschmacksnote benennen zu können. Zigarrenwissen kann das Erlebnis bereichern, ist aber keine Voraussetzung für einen gelungenen Abend.


Muss man sich mit Zigarren auskennen?

Nein.

Die meisten Zigarrenraucher legen deutlich mehr Wert auf angenehme Gesellschaft als auf Fachbegriffe. Niemand erwartet von Einsteigern, dass sie Herkunftsländer, Tabaksorten oder Formate auswendig kennen.

Interesse, Offenheit und ein respektvoller Umgang sind deutlich wichtiger als Fachwissen.


Wie wichtig ist das Handy in einer Zigarrenrunde?

Eine Zigarrenrunde lebt vom gemeinsamen Austausch. Natürlich spricht nichts dagegen, gelegentlich aufs Smartphone zu schauen.

Wer jedoch dauerhaft telefoniert, Nachrichten beantwortet oder während eines Gesprächs ständig auf das Display blickt, wirkt schnell desinteressiert. Wie bei vielen gesellschaftlichen Anlässen gilt auch hier: Das Gespräch mit den Anwesenden sollte Vorrang haben.


Darf man Zigarren verschenken?

Ja.

Eine gute Zigarre gilt unter vielen Aficionados als geschätzte Aufmerksamkeit. Wer eine Zigarre verschenkt, muss dabei weder die teuerste noch die seltenste Zigarre auswählen.

Wichtiger ist die Geste. Besonders in Zigarrenrunden werden einzelne Zigarren häufig zum Probieren angeboten oder als kleine Aufmerksamkeit mitgebracht.


Gibt es einen Dresscode beim Zigarrenrauchen?

Nein.

Anders als oft vermutet gibt es beim Zigarrenrauchen keinen festen Dresscode. Ob Lounge, Terrasse, Garten oder Balkon: Entscheidend sind ein respektvoller Umgang und eine entspannte Atmosphäre.


Es gibt keinen Zigarrenpolizisten

Wer neu in die Welt der Zigarren einsteigt, hat oft Angst, etwas falsch zu machen. Tatsächlich sind die meisten Zigarrenraucher deutlich entspannter, als viele Einsteiger vermuten.

Niemand wird kritisieren, wenn eine Zigarre schief brennt, die Asche zu früh abfällt oder beim Anschneiden ein kleiner Fehler passiert. Die meisten Regeln des Zigarren Knigge dienen nicht dazu, andere zu belehren, sondern das Event angenehmer zu gestalten.


📌 Merksatz zum Zigarren Knigge:
Wer Rücksicht nimmt, offen für Gespräche ist und seine Zigarre entspannt genießt, macht in einer Zigarrenrunde fast alles richtig.


Die wichtigste Regel des Zigarren Knigge

Wenn man den gesamten Zigarren Knigge auf einen Satz reduzieren müsste, wäre es dieser:

Nehmen Sie Rücksicht auf andere Menschen und rauchen Sie Ihre Zigarre entspannt.

Fast alle ungeschriebenen Regeln unter Zigarrenrauchern lassen sich auf diesen Grundsatz zurückführen.


Häufige Fragen zum Zigarren Knigge

Muss man die Asche einer Zigarre ständig abstreifen? Nein. Eine längere Asche kann den Abbrand sogar positiv beeinflussen. Entfernt wird sie erst, wenn sie instabil wird.

Darf man Zigarrenrauch inhalieren? Zigarren werden normalerweise nicht inhaliert. Der Rauch wird im Mundraum gehalten und anschließend wieder ausgeatmet.

Warum werden Zigarren nicht ausgedrückt? Beim Ausdrücken entsteht oft unangenehmer Rauch und die Zigarren brennen deutlich länger. Stattdessen lässt man die Zigarre im Aschenbecher von selbst ausgehen.

Darf man beim Zigarrenrauchen Fragen stellen? Ja. Die meisten Zigarrenraucher teilen ihre Erfahrungen gerne. Fragen gelten in der Regel als völlig normal.

Muss man sich mit Zigarren auskennen? Nein. Interesse, Offenheit und ein respektvoller Umgang sind deutlich wichtiger als Fachwissen.