Ahoj-Brause
Warum Brausepulver früher aus zwei Teilen bestand – und was das mit Chemie zu tun hat
Seit 1925 zischt und prickelt Ahoj-Brause. Angefangen hat ihre Geschichte allerdings nicht mit Pulver, sondern mit zwei getrennten Tabletten.
Lesedauer: ca. 7 Minuten | Stand: September 2026
Ein Tütchen, ein bisschen Pulver, ein Glas Wasser – und es zischt. Das Prinzip ist so einfach, dass man kaum vermutet, wie lange es gedauert hat, bis es in dieser Form funktionierte. Die Ahoj-Brause kam 1925 auf den Markt, aber sie kam nicht als Pulver. Sie bestand zunächst aus zwei Tabletten, die getrennt voneinander aufbewahrt werden mussten.
Der Grund dafür steckt in der Chemie der Brause. Säure und Natron reagieren miteinander, sobald Wasser ins Spiel kommt. Was heute innerhalb weniger Sekunden im Glas oder auf der Zunge passiert, durfte während der Lagerung gerade nicht passieren.
Das Wichtigste auf einen Blick
- 1925 gründeten Theodor Beltle und Robert Friedel in Stuttgart-Bad Cannstatt die Robert Friedel GmbH.
- Die erste Friedel-Brause bestand aus zwei getrennten Tabletten: einer mit Natron und einer mit Weinsäure.
- Um 1930 wurden die beiden Tabletten durch ein einziges Brausepulver ersetzt. In dieser Zeit kam auch der Name Ahoj auf.
- Das typische Zischen entsteht, wenn sich Säure und Natron in Wasser lösen und miteinander reagieren. Dabei wird Kohlendioxid (CO₂) freigesetzt.
- Der Name geht auf den Seemannsruf „ahoi“ zurück; der blaue Matrose wurde zum Erkennungszeichen der Marke.
- Seit 1953 wird die Brause in Remshalden-Geradstetten hergestellt.
- Seit 2002 gehört Frigeo und damit Ahoj-Brause zu Katjes.
Inhaltsverzeichnis
Der Anfang: zwei Tabletten in einem Tütchen
1925 gründeten der Stuttgarter Kaufmann Theodor Beltle und sein Schwager Robert Friedel in Bad Cannstatt die Robert Friedel GmbH. Aus dem Firmennamen entwickelte sich später das Kürzel Frigeo.
Das erste Produkt hieß Friedel-Brause. Angekündigt wurde es als „Brauselimonaden-Pulver für alle Bevölkerungsschichten“ und sollte eine bezahlbare Alternative zur damals vergleichsweise teuren Flaschenlimonade bieten.
Mit dem heutigen Brausepulver hatte das Produkt zunächst allerdings wenig gemeinsam. Im dreieckigen Tütchen befanden sich zwei getrennte Tabletten: eine enthielt Natron, die andere Weinsäure. Beide wurden gemeinsam in Wasser gegeben und lösten dort die Brausereaktion aus.
Warum mussten die Tabletten getrennt bleiben?
Natron und Weinsäure sind genau die beiden Stoffe, deren Reaktion später das charakteristische Sprudeln erzeugt. Solange sie getrennt und trocken aufbewahrt wurden, konnte diese Reaktion nicht vorzeitig einsetzen.
Erst beim Auflösen im Wasser kamen beide Bestandteile miteinander in Kontakt. Das war entscheidend für die Haltbarkeit: Hätten Säure und Natron bereits während der Lagerung unter feuchten Bedingungen reagiert, wäre das dabei entstehende Kohlendioxid schon vor der eigentlichen Zubereitung entwichen.
Die ersten beiden Sorten: Zum Start gab es die Friedel-Brause ausschließlich in Orange und Zitrone. Waldmeister und Himbeere kamen erst später hinzu.
Aus zwei Tabletten wird ein Pulver
Theodor Beltle arbeitete daran, die beiden Bestandteile in einer einzigen Mischung unterzubringen. Um 1930 gelang der entscheidende Schritt: Ein Brausepulver ersetzte die getrennten Tabletten.
Damit wurde die Anwendung einfacher. Statt zwei Bestandteile gemeinsam ins Wasser zu geben, genügte nun der Inhalt eines einzigen Tütchens. Gleichzeitig wurde das Sortiment um Waldmeister und Himbeere erweitert.
In dieser Zeit tauchte auch erstmals der Name auf, unter dem das Produkt bis heute bekannt ist: Ahoj-Brause.
Infografik: Eine sprudelnde Zeitreise – die Geschichte der Ahoj-Brause
Woher der blaue Matrose kommt
Der Name Ahoj geht auf den Seemannsruf „ahoi“ zurück. Damit bekam das Brausepulver eine maritime Identität – und passend dazu eine Figur, die sich deutlich von anderen Süßwarenmarken unterschied: den blau gekleideten Matrosen mit seiner geschwenkten Fahne.
Für ein Produkt wie Brausepulver war ein solches Erkennungszeichen besonders wichtig. Das eigentliche Produkt besitzt kaum eine charakteristische Form: Vor der Zubereitung ist es lediglich ein Pulver beziehungsweise Granulat, nach dem Einrühren löst es sich im Wasser auf. Die Verpackung musste deshalb einen großen Teil der Wiedererkennbarkeit übernehmen.
Der Matrose erfüllte genau diese Aufgabe. Das maritime Motiv verbindet den Markennamen mit einer sofort erkennbaren Figur und begleitet Ahoj-Brause seit den frühen Jahren der Marke.
Name und Bild gehören zusammen: Aus dem Seemannsruf „ahoi“ wurde Ahoj – und der blaue Matrose machte die maritime Idee auf der Verpackung sichtbar.
Was beim Aufzischen passiert
Hinter dem charakteristischen Zischen steckt eine einfache chemische Reaktion. Brausepulver besteht im Kern aus einem Säureträger, einem Karbonat und Zucker beziehungsweise Traubenzucker. Klassisch kommen Weinsäure und Natron zum Einsatz.
Natron ist die gebräuchliche Bezeichnung für Natriumhydrogencarbonat. Der Stoff findet sich nicht nur in Brausepulver, sondern wird beispielsweise auch beim Backen eingesetzt.
Trocken passiert zunächst nichts
Solange das Brausepulver trocken bleibt, können Säure und Natron als feste Bestandteile nebeneinander vorliegen, ohne dass die typische Brausereaktion abläuft. Entscheidend ist das Wasser.
Gibt man das Pulver in ein Glas, lösen sich die Bestandteile. Säure und Natriumhydrogencarbonat können nun miteinander reagieren. Dabei entsteht unter anderem Kohlendioxid (CO₂). Das Gas bildet die sichtbaren Bläschen, steigt durch die Flüssigkeit nach oben und entweicht an der Oberfläche.
Das Zischen ist Kohlendioxid: Die Bläschen entstehen nicht, weil bereits Kohlensäure im trockenen Pulver gespeichert wäre. Das Kohlendioxid wird erst freigesetzt, wenn sich die Bestandteile im Wasser lösen und miteinander reagieren.
Warum prickelt Brausepulver auch auf der Zunge?
Für die Reaktion ist nicht zwingend ein Glas Wasser nötig. Auch Speichel enthält ausreichend Wasser, um die Bestandteile des Pulvers zu lösen.
Gelangen Säure und Natron auf die feuchte Zunge, beginnt deshalb derselbe Vorgang in kleinerem Maßstab: Kohlendioxid entsteht und bildet winzige Gasbläschen. Dieses Freisetzen des Gases erzeugt das typische Prickeln im Mund.
Infografik: Warum Brausepulver zischt – trocken und mit Wasser
Warum Brausepulver trocken bleiben muss
Aus der chemischen Reaktion ergibt sich unmittelbar eine wichtige Anforderung an die Verpackung: Brausepulver muss vor Feuchtigkeit geschützt werden.
Schon Luftfeuchtigkeit kann ausreichen, um Teile des Pulvers langsam miteinander reagieren zu lassen. Das Pulver kann verklumpen, und ein Teil des Kohlendioxids entsteht bereits während der Lagerung und entweicht. Beim späteren Kontakt mit Wasser fällt die Brausereaktion dann entsprechend schwächer aus.
Genau dieses Problem erklärt auch die Konstruktion des ursprünglichen Produkts von 1925. Natron und Weinsäure wurden zunächst als zwei getrennte Tabletten verpackt, damit die beiden reaktionsfähigen Bestandteile während der Lagerung nicht miteinander in Kontakt kamen.
Die eigentliche Herausforderung lag in der Lagerfähigkeit
Dass Säuren und Hydrogencarbonate bei Kontakt mit Wasser Kohlendioxid freisetzen, war keine neue Entdeckung. Die praktische Herausforderung bestand darin, die Bestandteile so zusammenzubringen, dass ein gebrauchsfertiges Produkt entstand, das sich gleichzeitig lagern und transportieren ließ.
Der Wechsel von den getrennten Tabletten zum gemeinsamen Pulver war deshalb ein entscheidender Entwicklungsschritt: Die reaktionsfähigen Bestandteile befanden sich nun gemeinsam in einem Tütchen, blieben aber trocken genug, um erst bei der späteren Zugabe von Wasser miteinander zu reagieren.
Von Stuttgart nach Remshalden
Die Geschichte der Ahoj-Brause wurde durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochen. Die Produktion stand zeitweise still. Nach Kriegsende wurde sie wieder aufgenommen, und 1947 war die Vorkriegskapazität wieder erreicht.
Mit der steigenden Nachfrage reichte der bisherige Standort schließlich nicht mehr aus. 1953 zog die Produktion von Stuttgart nach Remshalden-Geradstetten im Remstal. Dort wird Ahoj-Brause bis heute hergestellt.
Vom Brausepulver zum Brauselolly
Über Jahrzehnte stand das Brausepulver im Mittelpunkt. Anfang der 1970er-Jahre wurde das Prinzip erstmals auf eine andere Produktform übertragen: Mit dem Brauselolly kam ein Erzeugnis hinzu, bei dem die Brause nicht mehr als Grundlage für ein Getränk gedacht war.
Damit begann eine Entwicklung, die später weitergeführt wurde. Die Brause wurde zunehmend auch als eigenständige Süßware eingesetzt und nicht mehr ausschließlich als Pulver zum Auflösen in Wasser.
Seit 2002 gehört Ahoj-Brause zu Katjes
Im Jahr 2002 übernahm das Emmericher Unternehmen Katjes die Firma Frigeo. Damit wechselte auch Ahoj-Brause den Eigentümer.
Unter der neuen Eigentümerschaft wurde das Sortiment weiter ausgebaut. Neben dem klassischen Brausepulver und dem Brauselolly kamen weitere Produkte hinzu, darunter Gummibonbons und Limonaden in den bekannten Brausesorten.
Getränkepulver oder Süßware?
Eine Besonderheit der Ahoj-Brause ist, dass ihr ursprünglicher Verwendungszweck bis heute erkennbar geblieben ist. Die Zubereitungsanweisung auf dem Tütchen sieht vor, das Pulver in kühlem Wasser aufzulösen, aufschäumen zu lassen und anschließend zu trinken. Das klassische Pulver wird entsprechend als Getränkepulver angeboten.
Im Alltag wird Brausepulver jedoch häufig anders verwendet: Das Pulver wird direkt aus dem Tütchen gegessen oder auf die Zunge gegeben. Chemisch funktioniert das aus demselben Grund wie im Wasserglas – der Speichel löst die Bestandteile und setzt die Reaktion zwischen Säure und Natron in Gang.
Damit hat sich die Nutzung des Produkts im Laufe der Jahrzehnte teilweise von seinem ursprünglichen Zweck gelöst. Das Grundprinzip blieb dabei erhalten: Die charakteristische Reaktion beginnt erst, wenn das trockene Pulver mit Wasser beziehungsweise Feuchtigkeit in Kontakt kommt.
Vom Getränk zur Süßware: 1925 war die Brause als preisgünstige Alternative zur Flaschenlimonade gedacht. Heute wird das Pulver weiterhin als Getränkepulver angeboten, gleichzeitig ist das Brauseprinzip längst auch in anderen Süßwarenformen zu finden.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Geschichte der Ahoj-Brause begann 1925 mit Theodor Beltle und Robert Friedel in Stuttgart-Bad Cannstatt.
- Anfangs bestand die Brause aus zwei getrennten Tabletten mit Natron und Weinsäure.
- Um 1930 ersetzte ein gemeinsames Pulver die Tabletten; in dieser Zeit kam auch der Name Ahoj auf.
- Der Name geht auf den Seemannsruf „ahoi“ zurück. Der blaue Matrose wurde zum Erkennungszeichen der Marke.
- Das Zischen entsteht, wenn Säure und Natron in Gegenwart von Wasser miteinander reagieren und Kohlendioxid (CO₂) freisetzen.
- Seit 1953 befindet sich die Produktion in Remshalden-Geradstetten.
- Seit 2002 gehört Frigeo mit Ahoj-Brause zu Katjes.
Häufige Fragen zur Ahoj-Brause
Seit wann gibt es Ahoj-Brause?
Die Geschichte der Marke reicht bis 1925 zurück. Damals brachten Theodor Beltle und Robert Friedel die Friedel-Brause auf den Markt. Der Name Ahoj-Brause kam einige Jahre später auf.
Warum bestand die erste Brause aus zwei Tabletten?
Die beiden für die Brausereaktion benötigten Bestandteile – Natron und Weinsäure – wurden getrennt aufbewahrt. So ließ sich verhindern, dass sie bereits während der Lagerung miteinander reagierten. Erst im Wasser kamen beide zusammen.
Wann wurde aus den Tabletten Brausepulver?
Um 1930 wurden die beiden getrennten Tabletten durch ein gemeinsames Pulver ersetzt. Gleichzeitig wurde das Sortiment um Waldmeister und Himbeere erweitert.
Woher kommt der Name Ahoj?
Der Markenname leitet sich vom Seemannsruf „ahoi“ ab. Passend dazu wurde der blaue Matrose mit Fahne zum Erkennungszeichen der Marke.
Warum zischt Brausepulver im Wasser?
Im Wasser lösen sich Säure und Natriumhydrogencarbonat und können miteinander reagieren. Dabei entsteht unter anderem Kohlendioxid. Die aufsteigenden CO₂-Bläschen verursachen das sicht- und hörbare Sprudeln.
Warum prickelt Brausepulver auf der Zunge?
Speichel enthält Wasser und löst damit ebenfalls die Reaktion zwischen Säure und Natron aus. Das dabei entstehende Kohlendioxid bildet kleine Gasbläschen und erzeugt das typische Prickeln.
Warum muss Brausepulver trocken gelagert werden?
Feuchtigkeit kann die chemische Reaktion bereits während der Lagerung in Gang setzen. Das Pulver verklumpt und ein Teil des Kohlendioxids kann vorzeitig entstehen und entweichen. Deshalb muss die Verpackung Feuchtigkeit möglichst zuverlässig fernhalten.
Wo wird Ahoj-Brause hergestellt?
Die Produktion zog 1953 nach Remshalden-Geradstetten im Remstal. Dort befindet sie sich bis heute.
Wem gehört Ahoj-Brause?
Seit 2002 gehört Frigeo und damit die Marke Ahoj-Brause zum Unternehmen Katjes.
Quellen
- Ahoj-Brause / Frigeo: Angaben zur Geschichte der Marke, zu Produkten und zur Herstellung.
- Katjes Fassin GmbH + Co. KG: Unternehmens- und Markeninformationen zu Ahoj-Brause und Frigeo.
- Deutsches Marken- und Patentamt (DPMA): Informationen zur Marke Ahoj-Brause.
- Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh): Grundlagen zu Säure-Base-Reaktionen und zur Bildung von Kohlendioxid.
- Produkt- und Verpackungsangaben von Ahoj-Brause zu Zutaten und Zubereitung.
Bildnachweis
- Infografik „Ahoj-Brause – von 1925 bis heute“: eigene Darstellung / Tabakguru.
- Infografik „Warum Brausepulver zischt“: eigene Darstellung / Tabakguru.
Autor: Christoph Schlierkamp
Fachliche Redaktion: Tabakguru
Stand: September 2026