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Rauchen heute und rauchen vor 50 Jahren

Es riecht nach kaltem Qualm, das Licht ist schummrig, und irgendwo zündet jemand mit einem leisen „Klack“ sein Feuerzeug an – Szenen wie diese prägten jahrzehntelang den Alltag. Rauchen war nicht bloß eine Angewohnheit, sondern ein gesellschaftliches Ritual. Heute dagegen sind Raucher eher Exoten, die sich im Winter vor Restaurants in dicke Jacken hüllen, während sie vor der Tür frieren. Zwischen damals und heute liegt nicht nur ein halbes Jahrhundert, sondern eine ganze Kulturverschiebung. 

INHALTSVERZEICHNIS

Rauchen im Alltag – von der Selbstverständlichkeit zur Ausnahme 

Wer in den 1970er-Jahren lebte, erinnert sich: Zigaretten gehörten einfach dazu. Ob im Büro, im Lehrerzimmer oder beim Arzt im Wartebereich – überall waberte der Rauch. Auf dem Schreibtisch standen Aschenbecher, oft mit Firmenlogo, und selbst im Wohnzimmer der Familie war Rauchen kaum Thema. Kinder wurden in der Nähe rauchender Eltern groß, ohne dass jemand die Stirn runzelte. Wer nicht rauchte, war die Ausnahme, nicht umgekehrt. 

Heute ist das Bild völlig verändert. Rauchfreie Zonen sind selbstverständlich, und viele Menschen reagieren auf Zigarettenrauch mit sichtbarer Abneigung. In den meisten Wohnungen wird gar nicht mehr geraucht, und selbst Balkone sind zum Streitpunkt geworden, wenn der Qualm zum Nachbarn zieht. Statt Zigarettenautomaten an jeder Ecke gibt es E-Zigaretten-Shops mit „Liquids“ in Geschmacksrichtungen wie Mango oder Vanillepudding – Zeichen einer neuen, technisierten Ära des Nikotinkonsums. 

Rauchen in Bars – vom geselligen Nebel zur klaren Luft

Kaum ein Ort war so eng mit dem Rauchen verbunden wie die Bar. Noch in den 1990er-Jahren konnte man kaum ein Bier trinken, ohne dass der Rauch anderer Gäste einem in die Augen stieg. Das dichte Grau gehörte zur Atmosphäre – ein Zeichen von Gemütlichkeit, Lässigkeit, manchmal auch von Verruchtheit. Musiker auf kleinen Bühnen spielten durch eine Wolke aus Zigarettenqualm, und Kellnerinnen bewegten sich darin wie durch Nebel. 

Mit dem Siegeszug der Nichtraucherschutzgesetze änderte sich alles. Heute sind die meisten Bars und Clubs rauchfrei. Viele Gäste begrüßen das – Kleidung und Haare riechen am nächsten Morgen nicht mehr nach Aschenbecher. Doch manche nostalgischen Nachtschwärmer vermissen den „Duft der Nacht“, den Geruch von Rauch, Alkohol und Abenteuer. In manchen Städten überleben kleine Raucherkneipen als Relikte einer anderen Zeit – meist mit vergilbten Tapeten, Wirtshunden und einem festen Kreis treuer Stammgäste. 

Rauchen in öffentlichen Verkehrsmitteln – von Zugabteilen zur Tabuzone 

Wer heute in einen Zug steigt, findet überall klare Hinweisschilder: Rauchen verboten. Doch das war nicht immer so. Bis in die 1980er-Jahre hinein gab es in deutschen Zügen Raucher- und Nichtraucherabteile. Der Übergang dazwischen war fließend – im wahrsten Sinne des Wortes. Auch in Flugzeugen war das Rauchen selbstverständlich. Man konnte sich im Lufthansa-Airbus eine Zigarette anzünden, während in der Kabine Kinder Cola tranken und Stewardessen den Aschenbecher leerten. 

Unvorstellbar heute: Die Idee, in einem geschlossenen Raum zu rauchen, der auf 10.000 Metern Höhe fliegt, löst fast Schwindel aus. In Bussen war das Rauchen früher ebenfalls erlaubt – meist im hinteren Bereich. Erst mit zunehmendem Bewusstsein für Gesundheit und Nichtraucherschutz wurde das Zug um Zug verboten. Heute ist es nicht nur untersagt, sondern sozial inakzeptabel. Selbst auf Bahnsteigen sind Raucherbereiche klein, abgetrennt und wirken fast wie Quarantänezonen. 

Rauchen in Behörden und öffentlichen Gebäuden – das Ende des Amtsrauchers

Ein Blick in alte Fernsehserien oder Zeitungsarchive zeigt: Auch in Behörden wurde früher munter geraucht. Beamte zündeten sich während des Aktenstudiums eine Zigarette an, und Sitzungen verliefen oft in einer Rauchwolke. Ein Aschenbecher war Standardausstattung auf jedem Schreibtisch. Selbst in Krankenhäusern gab es Raucherzimmer – für Patienten und manchmal auch für Ärzte. Heute wäre das undenkbar. 

Öffentliche Gebäude sind flächendeckend rauchfrei. Wer in einer Behörde arbeitet, muss für den Glimmstängel nach draußen – bei Wind und Wetter. Der einst stolze „Amtsraucher“ ist verschwunden, ersetzt durch den E-Zigaretten-Dampfer vor dem Haupteingang, der sich hastig einen Zug genehmigt, bevor die nächste Akte wartet. 

Diese Entwicklung spiegelt nicht nur eine rechtliche, sondern auch eine gesellschaftliche Veränderung wider: Rauchen hat seinen Platz in der Öffentlichkeit verloren und ist in den privaten Raum oder auf die Straße verdrängt worden. 

Rauchen und Werbung – vom Glamour zum Verbot 

Die goldene Ära der Zigarettenwerbung Vor 50 Jahren war Tabakwerbung überall – in Zeitungen, im Fernsehen, auf Plakatwänden. Rauchende Cowboys ritten in den Sonnenuntergang, elegante Damen hielten lange Zigaretten zwischen rot lackierten Fingern, und Slogans wie „Mild, aber kraftvoll“ oder „Der Geschmack der Freiheit“ prägten das kollektive Bewusstsein. Marken wie Marlboro, Camel oder HB wurden zu kulturellen Symbolen. 

Im Fernsehen liefen Spots, in denen Lässigkeit und Erfolg mit Rauchen gleichgesetzt wurden. Der Marlboro-Mann war ein Mythos – ein Sinnbild von Unabhängigkeit, Abenteuer und Männlichkeit. In der Nachkriegszeit, in der viele Menschen nach Stabilität und Stil suchten, wirkte diese Inszenierung unwiderstehlich. 

Rauchen im Sport – wenn Tabak Geschwindigkeit sponsert

Kaum ein Bereich zeigte die Macht der Werbung so deutlich wie der Sport, vor allem die Formel 1. Jahrzehntelang trugen die Boliden stolz Logos von Zigarettenmarken. Ferrari fuhr mit Marlboro-Schriftzug, McLaren mit West, und Lotus mit John Player Special – schwarz-gold, legendär. Selbst Fußballstadien waren voll von Tabakwerbung, und Zigarettenmarken sponserten ganze Turniere.

Heute ist das undenkbar. Seit den frühen 2000er-Jahren greifen strenge Werbeverbote. Tabakfirmen mussten ihre Logos von Rennwagen, Plakaten und Trikots entfernen. Manche versuchten kreative Umwege – etwa das „Barcode“-Design auf Ferraris, das an Marlboro erinnerte, ohne den Namen zu zeigen. Doch selbst solche Tricks wurden bald untersagt. 

Vom Werbestar zum Tabu 

Die kulturelle Bedeutung der Zigarettenwerbung kann man kaum überschätzen. Sie prägte Generationen und schuf Ikonen. Doch mit wachsender Aufklärung über die gesundheitlichen Risiken wurde der Glanz zunehmend als Täuschung entlarvt. Was einst für Freiheit stand, wurde zum Symbol von Abhängigkeit. Heute sind Plakatwerbung, TV-Spots und Sponsoring im Tabakbereich verboten – nur in Kiosken dürfen Zigaretten überhaupt noch sichtbar verkauft werden. 

Gesellschaftliche Wahrnehmung – vom Statussymbol zur Stigmatisierung

In den 1970er-Jahren galt Rauchen als Zeichen von Reife, Selbstbewusstsein und Stil. Schauspieler, Politiker, Journalisten – alle rauchten. In Talkshows wurde während der Sendung gepafft, und niemand störte sich daran. Wer eine Zigarette anzündete, wirkte souverän, manchmal sogar intellektuell. 

Heute ist das Gegenteil der Fall. Rauchen hat sein Image verloren. Es gilt als ungesund, altmodisch, ja fast unvernünftig. Gesundheitskampagnen, Schockbilder auf Packungen und Preissteigerungen haben das gesellschaftliche Klima radikal verändert. Während früher gefragt wurde, ob jemand Feuer hat, fragt man heute: „Rauchst du etwa noch?“ – ein Satz, der fast schon moralisch klingt.