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Fermentation

Ein getrocknetes Tabakblatt ist braun, trocken und sieht fertig aus. Rauchbar ist es nicht. Es riecht scharf, schmeckt bitter und brennt schlecht. Was dazwischenliegt, ist der aufwendigste und am wenigsten sichtbare Schritt der gesamten Zigarrenherstellung – und derjenige, der am längsten dauert.

Lesedauer: ca. 7 Minuten  |  Stand: Oktober 2026

Das Wichtigste auf einen Blick
  • Nach der Trocknung ist Tabak noch nicht verarbeitungsfertig: Unter anderem müssen Stickstoffverbindungen, Nitrate und Harze abgebaut werden.
  • Für die Fermentation werden die angefeuchteten Tabakblätter zu großen Stapeln, sogenannten Pilones, aufgeschichtet.
  • Im Inneren des Stapels entsteht ohne äußere Wärmezufuhr Wärme. Sie ist das eigentliche Arbeitsmittel der Fermentation.
  • Die Temperatur muss ständig kontrolliert werden. Wird der Zielwert erreicht, wird der Stapel abgetragen und neu aufgeschichtet.
  • Volado, Seco und Ligero benötigen unterschiedlich viele Fermentationsdurchgänge. Ligero wird am intensivsten behandelt.
  • Deckblätter werden besonders vorsichtig fermentiert, damit Aussehen und Elastizität erhalten bleiben.

Was nach der Trocknung noch im Blatt steckt

Während der Trocknung in der Scheune baut sich das Chlorophyll ab, das Blatt wechselt von Grün zu Braun. Damit endet aber nur der erste Abschnitt.

Im Blatt befinden sich zu diesem Zeitpunkt noch Stoffe, die beim Rauchen stören würden: Stickstoffverbindungen, aus denen Ammoniak entsteht, Nitrate, unaufgeschlossene Stärke und Harze. Sie sind der Grund für den scharfen Geruch und den bitteren Geschmack. Außerdem ist die Zellstruktur noch so beschaffen, dass das Blatt ungleichmäßig und träge abbrennt.

Die Fermentation räumt genau damit auf. Sie ist kein Veredelungsschritt im Sinne einer Verfeinerung, sondern ein notwendiger Umbau.

Trocknung und Fermentation sind nicht dasselbe

Nach der Trocknung sieht ein Tabakblatt zwar bereits braun und fertig aus, es ist aber noch nicht verarbeitungsfähig. Erst die anschließende Fermentation verändert die verbliebenen Stoffe und die Struktur des Blattes so weit, dass daraus Zigarrentabak werden kann.

Der Stapel

Dafür werden die getrockneten Blätter zunächst wieder auf einen bestimmten Feuchtegehalt gebracht. Zu trocken, und es passiert nichts; zu feucht, und der Stapel verdirbt.

Die angefeuchteten Blätter werden zu Bündeln zusammengefasst und schichtweise zu einem Stapel aufgebaut – dem pilón. Ein solcher Stapel erreicht gut einen bis knapp zwei Meter Höhe und wiegt mehrere hundert Kilogramm.

Von außen betrachtet geschieht nun nichts. Im Inneren setzen mikrobielle und enzymatische Vorgänge ein, die Wärme freisetzen. Der Stapel erhitzt sich von innen heraus – ohne jede Zufuhr von außen.

Infografik: Was im Fermentationsstapel passiert – Temperaturzonen und Umschichten des Tabaks
Weil es im Zentrum am wärmsten wird, muss der Stapel mehrfach abgetragen und neu aufgebaut werden. Nur so durchlaufen alle Blätter dieselben Bedingungen.

Wärme als Arbeitsmittel

Diese Eigenerwärmung ist das eigentliche Werkzeug. Sie treibt die unerwünschten Stoffe aus: Ammoniak entweicht, Bitterstoffe und Harze bauen sich ab, die Farbe wird dunkler und gleicht sich innerhalb der Charge an.

Gleichzeitig ist sie die größte Gefahr. Steigt die Temperatur zu hoch, nimmt das Blatt Schaden und ist unbrauchbar. Deshalb steckt in jedem Stapel ein Thermometer, und die Temperatur wird rund um die Uhr kontrolliert.

Erreicht der Stapel den vorgesehenen Zielwert, wird er abgetragen und neu aufgeschichtet. Dabei wandern die Blätter von außen nach innen und von oben nach unten – denn im Zentrum des Stapels wird es am wärmsten, an den Rändern am wenigsten. Ohne dieses Umschichten wäre das Ergebnis völlig ungleichmäßig.

Die Zielwerte unterscheiden sich je nach Blattlage und Manufaktur; genannt werden Bereiche von etwa 35 bis 50 Grad Celsius. Verbindliche Normen gibt es nicht – die Werte sind Erfahrungswissen und werden in vielen Häusern als Betriebsinterna behandelt.

Merksatz: Die Wärme im Fermentationsstapel entsteht von selbst. Entscheidend ist deshalb nicht das Erhitzen von außen, sondern die laufende Kontrolle und das rechtzeitige Umschichten der Tabakblätter.

Warum jede Blattlage anders behandelt wird

Hier liegt der Punkt, der die Fermentation von einem simplen Verfahren zu einer Handwerksentscheidung macht. Die drei Blattlagen vertragen und brauchen Unterschiedliches.

Volado aus dem unteren Bereich der Pflanze ist am dünnsten und am wenigsten aufgeladen. Es braucht die wenigsten Durchgänge und die kürzeste Zeit.

Seco aus der Blattmitte liegt dazwischen.

Ligero aus dem oberen Bereich hat die meiste Sonne erhalten, ist am dicksten und enthält am meisten von dem, was ausgetrieben werden muss. Es durchläuft die meisten Durchgänge und die höchsten Temperaturen. Je nach Erzeugnis dauert das zwei Jahre oder länger.

Warum sich diese Blätter bereits an der Pflanze unterscheiden und welche Aufgaben sie später in der Einlage übernehmen, beschreibt unser Beitrag überLigero, Seco und Volado.

Deckblatttabak wird gesondert und besonders vorsichtig behandelt. Hier geht es nicht nur um Geschmack, sondern auch um Aussehen und Elastizität. Ein zu heiß fermentiertes Deckblatt wird brüchig und lässt sich nicht mehr spiralförmig aufbringen. Deckblätter fermentieren deshalb bei niedrigeren Temperaturen und in kleineren Stapeln.

Nicht jedes Blatt braucht dieselbe Fermentation
Volado Dünnste Blattlage. Benötigt die wenigsten Durchgänge und die kürzeste Zeit.
Seco Stammt aus der Blattmitte und liegt bei der Behandlung zwischen Volado und Ligero.
Ligero Dickste und am stärksten der Sonne ausgesetzte Blattlage. Benötigt die meisten Durchgänge und höchsten Temperaturen.
Deckblatt Wird besonders vorsichtig, bei niedrigeren Temperaturen und in kleineren Stapeln fermentiert.

Zweite Fermentation nach dem Entrippen

Nach dem ersten Durchlauf wird die Mittelrippe entfernt. Weil die Rippe den Feuchtigkeitshaushalt des Blattes mitbestimmt, verändert sich dessen Verhalten dadurch – und bei vielen Tabaken folgt eine zweite Fermentationsphase.

Erst danach werden die Blätter in Ballen verpackt und eingelagert. Diese Ruhephase ist keine Fermentation mehr, sondern eine langsame Reifung. Sie dauert erneut Monate bis Jahre.

Wie Trocknung, Fermentation und Reifung in den gesamten Produktionsablauf eingebunden sind, zeigt unser Überblick zur Herstellung von Zigarren.

Fermentation und Reifung sind zwei verschiedene Schritte

Auch wenn beide Vorgänge viel Zeit benötigen, sind sie nicht dasselbe. Nach der Fermentation werden die Tabakblätter in Ballen eingelagert. Diese anschließende Ruhephase ist eine langsame Reifung und kann wiederum Monate bis Jahre dauern.

Infografik: Tabak vor und nach der Fermentation – Unterschiede bei Farbe, Geruch, Geschmack, Abbrand und Verwendbarkeit
Die Fermentation ist kein Verfeinerungsschritt, sondern Voraussetzung dafür, dass sich der Tabak überhaupt verarbeiten lässt.

Was Maduro damit zu tun hat

Die Bezeichnung Maduro steht für besonders dunkle Deckblätter. Dass diese Farbe durch längere und wärmere Fermentation entsteht, ist der direkteste sichtbare Beleg dafür, was der Prozess bewirkt.

Verwendet werden dafür in der Regel dickere, widerstandsfähigere Blätter, weil dünne Deckblätter die zusätzliche Belastung nicht überstehen würden. Die Farbe ist damit kein Anstrich und kein Zusatz, sondern das Ergebnis der Behandlung.

Gut zu wissen: Die dunkle Farbe eines Maduro-Deckblatts wird nicht aufgetragen. Sie entsteht durch die Behandlung des Tabaks während einer längeren und wärmeren Fermentation.

Der Unterschied zum Zigarettentabak

Auch Tabak für andere Erzeugnisse wird fermentiert, aber nach anderen Maßstäben. Bei industriell gefertigten Produkten stehen gleichbleibende Ergebnisse über große Mengen und kurze Durchlaufzeiten im Vordergrund; die Verfahren sind entsprechend stärker technisiert.

Die Fermentation im Zigarrenbereich arbeitet dagegen mit vergleichsweise kleinen Chargen, langen Zeiträumen und laufender Kontrolle von Hand. Das ist einer der Gründe, warum zwischen Ernte und fertiger Zigarre mehrere Jahre liegen können.

Fermentation bei Zigarrentabak
Kleinere Chargen Im Zigarrenbereich wird mit vergleichsweise überschaubaren Tabakmengen gearbeitet.
Lange Zeiträume Je nach Blattlage und Erzeugnis kann die Behandlung erheblich länger dauern.
Kontrolle von Hand Temperatur und Zustand der Stapel werden laufend überwacht und die Blätter bei Bedarf neu aufgeschichtet.

Das Wichtigste in Kürze

  • Getrockneter Tabak ist noch nicht rauchbar – Stickstoffverbindungen, Nitrate und Harze müssen erst abgebaut werden.
  • Dafür werden die Blätter angefeuchtet und zu Stapeln aufgeschichtet, die sich von innen heraus erwärmen.
  • Die Wärme treibt Ammoniak und Bitterstoffe aus; zu hohe Temperaturen zerstören das Blatt.
  • Erreicht der Stapel den Zielwert, wird er abgetragen und neu aufgeschichtet, damit alle Blätter gleich behandelt werden.
  • Volado braucht die wenigsten Durchgänge, Ligero die meisten; Deckblatt wird am vorsichtigsten behandelt.
  • Nach dem Entrippen folgt oft eine zweite Fermentation, danach eine jahrelange Reifung im Ballen.

Häufig gestellte Fragen zur Fermentation von Zigarrentabak

Warum muss Tabak für Zigarren fermentiert werden?

Nach der Trocknung ist das Tabakblatt noch nicht verarbeitungsfertig. Es enthält unter anderem Stickstoffverbindungen, Nitrate, unaufgeschlossene Stärke und Harze. Diese Stoffe tragen zum scharfen Geruch, bitteren Geschmack und zum trägen, ungleichmäßigen Abbrand bei. Die Fermentation verändert das Blatt so, dass es anschließend zu Zigarrentabak weiterverarbeitet werden kann.

Was ist ein Pilón bei der Tabakfermentation?

Ein Pilón ist ein Stapel aus angefeuchteten und zu Bündeln zusammengefassten Tabakblättern. Ein solcher Fermentationsstapel kann gut einen bis knapp zwei Meter hoch sein und mehrere hundert Kilogramm wiegen.

Woher kommt die Wärme bei der Fermentation?

Die Wärme wird nicht von außen zugeführt. Im Inneren des Stapels setzen mikrobielle und enzymatische Vorgänge ein, die Wärme freisetzen. Dadurch erhitzt sich der Pilón von innen heraus.

Warum muss ein Fermentationsstapel umgeschichtet werden?

Im Zentrum des Stapels wird es am wärmsten, während die Temperatur an den Rändern niedriger bleibt. Wird der vorgesehene Zielwert erreicht, wird der Stapel deshalb abgetragen und neu aufgebaut. Dabei wandern die Blätter von außen nach innen und von oben nach unten. So durchlaufen die Blätter möglichst vergleichbare Bedingungen.

Bei welcher Temperatur wird Zigarrentabak fermentiert?

Die Zielwerte unterscheiden sich je nach Blattlage und Manufaktur. Genannt werden Bereiche von etwa 35 bis 50 Grad Celsius. Verbindliche Normen gibt es nicht; die konkreten Werte beruhen auf Erfahrungswissen und werden in vielen Häusern als Betriebsinterna behandelt.

Werden Volado, Seco und Ligero gleich fermentiert?

Nein. Volado aus dem unteren Bereich der Pflanze benötigt die wenigsten Durchgänge und die kürzeste Zeit. Seco liegt dazwischen. Ligero aus dem oberen Bereich ist dicker und durchläuft die meisten Durchgänge sowie die höchsten Temperaturen. Je nach Erzeugnis kann die Behandlung von Ligero zwei Jahre oder länger dauern.

Warum wird Deckblatttabak besonders vorsichtig fermentiert?

Beim Deckblatt spielen neben dem Geschmack auch Aussehen und Elastizität eine wichtige Rolle. Wird es zu heiß fermentiert, kann es brüchig werden und lässt sich später nicht mehr spiralförmig auf die Zigarre aufbringen. Deshalb werden Deckblätter bei niedrigeren Temperaturen und in kleineren Stapeln fermentiert.

Was passiert bei der zweiten Fermentation?

Nach dem ersten Durchlauf wird die Mittelrippe entfernt. Da die Rippe den Feuchtigkeitshaushalt des Blattes mitbestimmt, verändert sich dadurch das Verhalten des Tabaks. Bei vielen Tabaken folgt deshalb nach dem Entrippen eine zweite Fermentationsphase. Anschließend werden die Blätter in Ballen eingelagert und reifen dort weiter.

Was hat Maduro mit der Fermentation zu tun?

Maduro bezeichnet besonders dunkle Deckblätter. Die dunkle Farbe entsteht durch eine längere und wärmere Fermentation. Dafür werden in der Regel dickere und widerstandsfähigere Blätter verwendet, die diese zusätzliche Belastung vertragen. Die Farbe ist kein Anstrich oder Zusatz, sondern das Ergebnis der Behandlung.



Autor: Helmut Pribyl

Fachliche Redaktion: Tabakguru

Stand: Oktober 2026